
Abschied von Shanghai im Morgengrauen.
Heute heißt es Abschied nehmen von China, und das bedeutet: früh aufstehen! Um 6:30 Uhr geht unser Transfer zum Flughafen in Pudong und für die knapp 50 Kilometer muss man normalerweise eineinhalb Stunden einplanen. Aber es ist Sonntag und da sind wir in weniger als einer Stunde am Ziel. Das Einchecken läuft problemlos und nur bei der Handgepäckkontrolle gibt es ein kleines Problem, weil ich beim Leeren des Rucksacks doch mein Taschenmesser übersehen habe. Die Beamten sind freundlich und leiten mich wieder hinaus, damit ich mir ein kleine Tasche besorgen und das Taschenmesser noch aufgeben kann. Aber der Aufwand ist dann doch zu groß. Da verschenke ich das Messer lieber.
Der Abflug mit Austrian Airlines über Wien nach München verzögert sich zwar um fast eine Stunde (der Luftraum über Shanghai ist wie üblich überfüllt), doch am Ende kommen wir doch pünklich zu Hause an. Ein Abenteuer geht zu Ende und das hat Gitta in einer kleinen Rede zusammengefasst, die sie zum Abschied für unsere Gruppe halten sollte. Doch der Reiseleiter hatte auch noch andere gefragt und da sich der geplante Rahmen ganz anders als angekündigt darstellte, hat Gitta zugunsten eines anderen Mitreisenden verzichtet. Aber für unseren Blog ist die ungehaltene Rede ein passender Abschluss:
„Wer sein Haus verlässt und nach Wissen sucht, der wandert auf Gottes Pfaden. Und wer reist, Wissen zu finden, dem wird Gott, das Paradies zeigen.“ Wenn dieser Koranspruch stimmt, dann kommen wir alle ins Paradies. Denn wir haben unendlich viel gelernt in den vergangenen zwei Monaten. Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viel Fremdes gesehen, gehört, geschmeckt, gerochen und gefühlt.
Wir haben Städte und Landschaften bereist, in die wir sonst vermutlich nie gekommen wären. Die Wälder von Belarus mit den kleinen Dörfern dazwischen, in denen die Straßen noch aus Sand sind. Die grandiose Weite der russischen Steppe und die wunderbare Stadt Astrachan. Die unberührte Natur des Wolgadeltas. Unvergesslich auch unsere erste hautnahe Berührung mit der Wüste Kasachstans. Die märchenhaften Städte Usbekistans. Kirgisistan, das Land, in dem die meisten gern ein, zwei Tage länger verweilt hätten, um die grünen Hochtäler und die atemberaubende Bergkulisse zu bewundern. Die lebhaften Oasenstädte Chinas, Dunhunang mit seinen hohen Sanddünen und zuletzt die Spuren des Goldenen Zeitalters des Reichs der Mitte.
Die Zeit-Experten haben uns dabei geholfen, all diese Eindrücke zu sortieren und einzuordnen. Und wenn es dabei Widersprüchliches gegeben hat, ist das doch sehr anregend. Sascha Sambuk hat uns die Zerrissenheit seines Heimatlandes Belarus geschildert, dank Michael Thumann ahnen wir zumindest, wie Putin tickt, Birgit Breuer hat uns immer wieder daran erinnert, dass Länder wie Kasachstan und Usbekistan Diktaturen sind. Frank Sieren und Liu Guasheng haben uns das neue China in glühenden Farben geschildert und so manche unserer vielleicht ein wenig von Skepsis und Angst geprägten Vorstellungen von diesem Land korrigiert, Lars Anke hat uns auch die Herausforderungen und Probleme Chinas aufgezeigt.
Und dabei wurden wir vom ersten Tag an von unseren Reiseleitern gepampert – so manche haben sich schon gefragt, ob wir zu Hause überhaupt in der Lage sein werden, allein eine Straße zu überqueren.
Und dass wir jeden Morgen gern und gut gelaunt in unseren Bus gestiegen sind, verdanken wir unseren Fahrern, die selbst in kritischen Situationen (zum Beispiel beim Rückwärtsfahren durch einen Basar) die Ruhe weghatten und meistens auch ihren Humor nicht verloren haben. Ich sag nur ‚Mäuschen, ich seh dich doch!‘.
Es war eine Reise, die unseren Verstand angeregt hat (ich sage nur Han, Tang, Song) und unsere Herzen berührt hat.
Team Hamburg sagt „she she“ und „zai jian“!

Hin in 51 Tagen – zurück in 14 Stunden: unsere Route von Hamburg nach Shanghai.